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Es wird wieder bunt!

Auch wenn die Umsatzzahlen 2020 für dekorative Kosmetik schlecht ausfielen, sieht die Branche optimistisch ins neue Jahr. Internationale Laufsteg-Trends und die Einschätzungen unserer Experten lassen auf eine farbenfrohe Frühjahr-/Sommersaison blicken.

Veröffentlicht am 25.03.2021

Cleopatras Katzenaugen, blass geschminkte Gesichter mittelalterlicher Adliger oder die farbenfrohe Schminkkunst von Popstars der 1980er-Jahre: Dekorative Kosmetik blickt auf eine lange Tradition zurück. Doch wie wird die Beauty-Branche nach einem Jahr, das nur als beispiellos bezeichnet werden kann, 2021 überstehen? Eine spannende Frage, die Designer und Kreative in dieser Saison auf Corona-konformen Laufstegen und digitalen Plattformen beantwortet haben. Von New York über Mailand bis hin zu Instagram wurden Glow-Foundations und progressives Make-up zum Erzählen von Trends verwendet. So weit, so gut. Doch wie sieht die Realität aus? Und was ist mit den Lippenstiften?

 

Auch die Grossen der Branche bleiben nicht vom Lockdown verschont
Eine neue Studie des Analysten Nielsen zum Verbraucherverhalten zeigt, dass seit der Nutzung der Masken satte 58 Prozent der Lippenstiftverwender ihre Gewohnheiten drastisch geändert haben. Ganze 32 Prozent tragen gar keinen Lippenstift mehr und 26 Prozent tragen das Produkt nur noch sehr selten auf. Der Lippenstift wird zum Verlierer des Corona-Jahres. «Leider wurden auch wir nicht davon verschont», berichtet Nagia El-Sayed von Artdeco. «Allerdings liegen wir durch unsere Problemlöser wie z. B. Magic Fix, welches zum Fixieren von Lippenstiften verwendet wird, und unseren Make-ups doch noch wesentlich besser als die meisten Mitbewerber», ergänzt sie. Auch Make-up-Experte und Visagist Beni Durrer hat unter den Folgen der Pandemie zu leiden. Er sagt: «Da die Kultur brach liegt, brauchen nicht nur Künstler auf der Bühne kein Make-up mehr, auch macht man sich nicht mehr grossartig zurecht, um wegzugehen – wo soll man auch hingehen in dieser schrecklichen Zeit? Und durch den Mundschutz kann man eh keine Lippenstifte mehr tragen.»

Wegen der Corona-Pandemie sind die Umsätze für dekorative Kosmetik drastisch zurückgegangen.

Wegen der Corona-Pandemie sind die Umsätze für dekorative Kosmetik drastisch zurückgegangen.

Flexibel bleiben – mit Alternativen durch die Absatzflaute
Für Beni Durrer lautet die Devise jetzt: Flexibel bleiben. «Wir konnten unsere zehn neuen Lippenstiftfarben gerade noch vor der Produktion stoppen, als es mit Corona anfing.» Und: «Unsere Händedesinfektions-Produktion hatten wir sofort hochgefahren und sehr viel während des ersten Lockdowns verkaufen können. Jetzt haben wir einen Lippenpflegestift und eine Handcreme produziert, damit wir unseren Händlern und Kunden zusätzliche Produkte anbieten können.» Die Schweizer Farb- und Stilberaterin, Stylistin und Visagistin Brigitte Glättli sieht ebenfalls optimistisch in die neue Saison. Ihre Vermutung lautet: «Es gibt durch den Impfstoff wieder Hoffnung, dass wir bald nicht mehr nur noch mit Maske rumlaufen müssen, und dann ist der Bedarf nach Farbe wieder gross. Aber auch eine gute Haltbarkeit von Lippenstiften ist ein grosses Thema. Diejenigen, die nicht auf Lippenstift – trotz Maske – verzichten wollen, sind sehr dankbar über professionelle Tipps.» Sowohl Beni Durrer als auch Brigitte Glättli empfehlen eine temporäre Verlagerung von den Lippen zu den Augen.

 

Die Looks der Laufstege für 2021
Make-up-Hersteller Artdeco wird sogar noch etwas konkreter und gibt auf Nachfrage direkte Schmink- und Farbtipps: «Für die Augenpartie ist ein rosé- und pinkfarbener Eyeshadow ein Muss. Das Augenlid wird mit den floralen Nuancen schattiert und mit pastelligen Grün- und Blau-Tönen kombiniert. Die Augenkontur steht im Fokus. Und Eyeliner-Liebhaberinnen sollten den klassischen schwarzen Eyeliner mit einem farbigen kombinieren.»

Und auch internationale Make-up Artists machen sich für eine Rückkehr der dekorativen Kosmetik stark: «Statement Eyeliner» ist einer der Trends, der kommen wird, ist sich die Branche sicher. Und hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Pink, Blau oder Orange? Völlig egal! Genau wie die Form des Lidstrichs: Double Liner, extravagantes Dreieck oder ausschweifender Wing – erlaubt ist, was gefällt. Und Beni Durrer ergänzt: «Mit einem tollen Augen-Make-up stärkt man nicht nur das Selbstbewusstsein der Kundin, indem sie sich gut (und schön) fühlt, sondern man kann damit auch sehr gut Geld verdienen, Corona hin oder her». «Und zu einer betonten Augenpartie zählen auch Brows und Lashes», weiss Kosmetik-Expertin Jutta Tavarri: «Neben den auffälligen Lidschatten, die wiederkommen werden, bleiben Trends wie Browlift und Lashlift auch im nächsten Jahr bestehen. Denn Augenbrauen und Wimpern geben einem Look erst den notwendigen Rahmen und sorgen für eine Unverwechselbarkeit des Trägers oder der Trägerin.» Und weiter ergänzt die Fachkosmetikerin: «Gerade in Zeiten wie diesen, geht es doch darum, optimistisch zu bleiben und sich nicht zu verstecken. Make-up soll auch weiterhin Spass machen.» Bunte Aussichten also, wenn es nach den Fachleuten der Branche geht. Aber, so sind sich die Profis sicher, trotz der bunten Farben und extremen Looks darf eine gewisse Leichtigkeit nicht fehlen. Denn was diesen Frühling/Sommer laut Beauty-Experten passé sein werden, sind starke Make-ups und mehrere Schichten mit mattem Puder. «In Sachen Teint setzen wir auf Natürlichkeit», so das Motto. Das Ziel: «Dewy Glow» – ein subtiler Glanz, der den Teint strahlen und gesund aussehen lässt. Hierfür sollten die Haut und Lippen vor Feuchtigkeit strotzen. «Gerade, wenn man jetzt viel mit einem Mund-Nasen-Schutz unterwegs ist, verzichtet man häufig auf seinen geliebten Lippenstift oder Gloss, da dieser dann gerne nicht nur auf den Lippen eine schöne Farbe hinterlässt, sondern auch auf der Maske. Doch eine geschmeidige und glatte Lippenpartie mit optisch mehr Volumen und einem natürlichen Glow sorgt auch ohne Lippenstift für einen Wow-Effekt», sagt Peggy Grohmann von Biodroga.

 

Trotz schwieriger Absatzzahlen – dekorative Kosmetik kommt wieder
Wir sehen also: Auch wenn die wirtschaftlichen Prognosen für die dekorative Kosmetik aktuell nicht besonders gut aussehen, so gibt es dennoch einen leichten Hoffnungsschimmer am Horizont, dass wir dieses Jahr trotz der Maske wieder einen Weg zurück zur Farbe finden werden. Und da wir gerade von Masken sprechen, antwortet Beni Durrer ganz optimistisch zum Schluss: «Wenn man mich jetzt nach dem Trend für 2021 fragt, dann stelle ich die Gegenfrage: Welche Maske tragen Sie? Dazu entsprechend kreieren wir Visagisten das Augen-Makeup. Vorbei sind die Zeiten, in denen jeder gleich aussah, Individualität ist endlich wieder gefragt.»

 

 

Text: Alexandra Stojic

Fotos: stock.adobe.com (2)

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