FACE & BODY

Wechseljahre: Offen Reden

Die Wechseljahresberatung gibt Frauen nicht nur eine Stimme, sie hilft ihnen auch dabei, diese einschneidende Lebensphase zu durchschreiten. Ein Erfahrungsbericht.

Veröffentlicht am 22.09.2021

Mit Anfang 50 komme ich nicht länger umhin, mich mit meinen Wechseljahren auseinanderzusetzen, denn dieser biologische Prozess gehört eben auch zu mir und meinem Leben. Er ist weder eine Krankheit noch ein Stigma – so wie es vielleicht von unseren Grossmüttern oder Müttern empfunden wurde. Sie haben damals über «die Hitze» nicht weiter – und vor allem nicht gerne – gesprochen. Für uns Töchter und Enkelinnen ist diese Tabuisierung eigentlich bedauerlich, da wir von den Erfahrungen unserer «Vor-Frauen» nicht profitieren können.

 

Zehn Minuten genügen nicht

Womöglich geht es Ihnen ähnlich, aber mir reicht der Besuch beim Frauenarzt nicht, um meine Fragen beantwortet zu bekommen. Es geht schliesslich um meinen Körper, ich möchte diese Veränderungen verstehen und einordnen können, was mit mir passiert. Gynäkologen haben in ihrer Praxis nicht selten einen eng getakteten Terminplan, da bleibt schlichtweg keine Zeit für eine ganzheitliche Betrachtung der individuellen Befindlichkeit der Patientin. Und es scheint immer mehr Gesprächsbedarf seitens der Frauen zu geben. Schliesslich werden sie nicht nur mit ihren körperlichen Veränderungen konfrontiert, sie haben auch in ihrem (Familien-)Leben eine ganz wesentliche Phase des Umbruchs zu bewältigen. Kein Wunder also, dass sie über die Wechseljahre nicht länger schweigen möchten. Mir geht es da nicht anders. Deshalb suchte ich nach einer Alternative, lernte dabei die Wechseljahresberaterin Heidi Pfeffer kennen und vereinbarte mit ihr einen Termin.

 

Zweistufig aufgebaut

Normalerweise kommen ihre Klientinnen zu ihr in die Praxis, aber mir war das aufgrund der räumlichen Distanz und der Corona-Lage nicht möglich. Deshalb fand die Beratung per Video-Chat statt, der ohne Weiteres eine grosse Intensität und Vertrautheit ermöglichte.

Ihre Beratungen teilt die Wechseljahresberaterin in zwei Sitzungen auf, dabei gilt im Übrigen dieselbe Diskretion wie in einem Arztgespräch. Während des ersten Termins fand zunächst eine sorgfältige und detaillierte Erfassung meiner Konstitution statt. «Das ist die Grundlage für meine Analyse, die ich Ihnen dann im zweiten Teil vorstellen werde», erklärte mir Heidi Pfeffer. Angaben zu meiner Person und meinen Lebensumständen gehörten dabei genauso dazu wie die Dokumentation möglicher Erkrankungen oder bestehender Medikationen. Anschliessend gingen wir gemeinsam einen mehrteiligen, umfangreichen Fragenkatalog durch, der auf bestimmte Hormone wie Östrogen, Progesteron, Testosteron und Cortisol ausgerichtet ist. Sie lassen sich allesamt mit wechseljahrestypischen Symptomen in Verbindung bringen, über die sich die Beraterin unbedingt ein Bild machen muss. Ergänzend dazu, so Heidi Pfeffer, kann man auch noch einen Hormontest machen. Wichtig bei der Beantwortung der Fragen war, dass ich mich dabei im Wesentlichen auf die vergangenen anderthalb Jahre fokussierte. Und so konnte ich über meine Wechseljahre in aller Ernsthaftigkeit und unter fachkundiger, verständnisvoller Begleitung sprechen. Die Symptome, die ich bisher bei mir beobachtet hatte, musste ich dabei präzisieren. Für Heidi Pfeffer sind diese allesamt von Bedeutung – egal, ob es sich dabei um Hitzewallungen, Schlaflosigkeit, Reizbarkeit, Süssappetit, Unregelmässigkeiten bei der Menstruation oder die Faltenbildung um Mund und Augen handelte. Ich empfand diese ausführliche Erfassung als sehr positiv, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass diese intensive Auseinandersetzung mit sich selbst für viele Frauen sehr anstrengend und vor allem psychisch belastend sein kann. Das hat mir Heidi Pfeffer auch bestätigt. Aber: Sie als Wechseljahresberaterin fängt uns Frauen auf und hilft uns dabei, unsere Erkenntnisse und Beobachtungen auf ganzheitlicher Ebene einzuordnen. «Wer zu mir kommt, der möchte, dass es ihm gutgeht», betont sie. «Und das ist Standard bei meiner Beratung.»

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Jüngere Frauen, die aufgrund einer medizinischen Indikation vorzeitig in die Wechseljahre kommen, finden bei einer Wechseljahresberaterin ebenfalls Unterstützung

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Jede Menge Hormon-Input

Nach der Anamnese gingen wir zusammen ausgewähltes Infomaterial durch, das mir Heidi Pfeffer vorher zugemailt hatte. Dieses sei Teil einer Mappe, die sie für jede ihrer Klientinnen zusammenstelle und die ihnen als individuelles Nachschlagewerk dienen solle. Während der Durchsicht der Infoblätter bekam ich nicht nur die Phasen der Wechseljahre erläutert, ich lernte auch mehr über das Zusammenwirken der Hormondrüsen im Körper – und wie wichtig es ist, dass diese alle in Balance sind. «Alles, was wir Frauen an Problemen und an Schönem haben, läuft über den Hypothalamus und die Hypophyse» erklärte mir Heidi Pfeffer. «Wenn nur eine Hormondrüse nicht richtig arbeitet, kommt es zu einem Ungleichgewicht. Dann werden die Schilddrüse, die Nebennierenrinde usw. in Mitleidenschaft gezogen. Und das hat gesundheitliche Auswirkungen auf den gesamten Organismus.» Da der Körper mit zunehmendem Alter immer weniger Hormone produziert, wird auch die Hormonersatztherapie (HET, englisch HRT) zu einem wichtigen Thema. Diese soll die Wechseljahresbeschwerden lindern. Allerdings erhöht sie auch das Risiko, an bestimmten Krebsarten wie Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken. Zudem besteht die Gefahr, einen Schlaganfall oder eine Thrombose zu erleiden. Während bei der HET hormonähnliche bzw. künstliche Substanzen zum Einsatz kommen, setzt die bioidentische Hormonersatztherapie auf körperidentische Hormone, um den Mangel auszugleichen. Deshalb gilt die Methode als gut verträglich. Diese Hormone sind in der Regel pflanzlichen Ursprungs, z. B. aus der Yamswurzel oder Sojabohne. Für den Hormonausgleich empfiehlt sich auch eine ausgewogene Ernährung, die den individuellen Bedürfnissen angepasst werden sollte. Bewegung im Freien ist wichtig, zur Nahrungsergänzung kann Vitamin D in Kombination mit Vitamin K eingenommen werden, um u. a. dem durch den Östrogenmangel bedingten Knochenabbau entgegenzuwirken.

 

Warten auf die Auswertung

Nach dieser intensiven ersten Beratungseinheit hatte ich erst einmal Zeit, alles «sacken» zu lassen. Derweil wollte Heidi Pfeffer meine erfassten Daten gründlich analysieren. Zwei Wochen später trafen wir beide uns erneut zum Video-Chat und ich war schon sehr gespannt auf das Ergebnis der Analyse. Zuerst erklärte mir die Wechseljahresberaterin, dass ich mich derzeit in der Peri-Menopause befände – jener Phase also, in der der Hormonhaushalt sein Gleichgewicht zunehmend verliert. Anhand ihrer Analyse und eines ergänzenden Fahrplans – Teil zwei für meine individuelle Beratungsmappe – könne ich schon einiges tun, um weiterhin gut durch das Klimakterium zu kommen. Bei mir hatte Heidi Pfeffer z. B. eine Östrogen-Erhöhung ausgemacht. Deshalb empfahl sie mir, bei der Ernährung darauf zu achten, östrogenhaltige Lebensmittel zu meiden. Konkret bedeutet das, dass ich z. B. statt meiner geliebten Leinsamen besser Chia-Samen verzehren sollte. Diese sind ebenfalls ballaststoffreich, enthalten jedoch keine Östrogene.

 

Bewusst essen ist die Devise

Momentan kann ich noch viel über die Ernährung ausgleichen und die Empfehlungen von Heidi Pfeffer kommen mir dabei sehr entgegen: Obstsorten wie Mango, Papaya oder Beeren mag ich ohnehin, Hirse und Buchweizen esse ich gerne, Olivenöl ist Standard in meiner Küche und Gewürze wie Zimt und Ingwer sind für mich unverzichtbar. Zum Braten soll ich bevorzugt Kokosöl verwenden, weil das auch die Fettverbrennung im Körper unterstützt. Als Getränk eignet sich grüner Tee sehr gut. Ergänzend dazu bietet sich ein- bis zweimal pro Jahr noch ein einwöchiges «Power-Stoffwechsel-Entgiftungs- Programm» an, das mir die Wechseljahresexpertin zusammengestellt hat.

Ausserdem riet mir Heidi Pfeffer dazu, mehrere Monate lang eine progesteronhaltige Creme abends auf die Innenseiten der Oberschenkel oder der Oberarme aufzutragen, solange ich meine Periode noch habe. Progesteron fungiert als Regulator, der die bei mir festgestellte Östrogen-Erhöhung wieder ausbalanciert. Für die Salbe ist ein Privatrezept vom Arzt mit der Rezeptur nötig, hergestellt wird diese dann direkt in der Apotheke. Sobald ich Veränderungen bei mir bemerke, soll ich mich auf jeden Fall bei ihr melden. Denn auch über die zwei Sitzungen hinaus steht Heidi Pfeffer ihren Klientinnen zur Seite. Es ist genau das, was Frauen in dieser Zeit des Wandels brauchen.

Begleitet Frauen mit Empathie und viel Verständnis: Heidi Pfeffer

Die Therapeutin für energetische Körperbalance betreibt ihre Praxis im nordhessischen Calden. Mit 50 Jahren befand sich ihr Leben im Umbruch. Die Kinder waren aus dem Haus und ihre Arbeit machte ihr keinen Spass mehr. Als sie selbst in die Wechseljahre kam, konnte ihr keiner so richtig helfen. Heidi Pfeffer wollte sich mit den Gefühlsschwankungen und körperlichen Beschwerden auch nicht so einfach abfinden – und erst recht nicht darüber schweigen. Überzeugt davon, dass es einen Weg geben müsse, um Frauen in dieser Phase des Wandels helfen zu können, recherchierte sie intensiv zu diesem Thema. Dabei wurde sie auf eine Schule für freie Gesundheitsberufe in Wuppertal aufmerksam, die eine Ausbildung zur Wechseljahresberaterin anbietet. Nachdem Heidi Pfeffer dort ihr Studium absolviert hatte, wagte sie den Sprung in die Selbstständigkeit und unterstützt seitdem Frauen durch eine individuelle, bedürfnisorientierte Beratung. Zu ihrem Leistungsumfang zählen auch Beratungsgespräche zur Familienplanung und Kurz-Vorträge – u. a. für Kosmetikerinnen. Die Wechseljahresexpertin schult diese auch, um sie für die Bedürfnisse ihrer Kundinnen während dieser Lebensphase zu sensibilisieren. Gerade weil die Wechseljahre im Schutz der Kabine immer wieder thematisiert werden, ist es wichtig, dass die Kosmetikerin über das nötige Hintergrundwissen verfügt, um das körperliche und psychische Befinden der Frauen einordnen zu können.

www.heidi-pfeffer.de

 

 

 

Text: Dr. Anja Riek

Fotos: stock.adobe.com (3), zvg (1)

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